Freie Assoziation

Online-Tagung zu antiautoritärem Kommunismus
28.-30. Mai

„Die Gefahr der Diktatur der utopischen Fantasie ist begrenzt. Ich würde sogar sagen andersherum: Ein breiter Diskurs über mögliche Zukünfte kann sogar helfen Autorität abzubauen, indem er das Gespräch pluralisiert, öffnet, transparent macht und die Möglichkeit der Partizipation, der Teilhabe, der gemeinschaftlichen Konstruktion einräumt.“

– Bini Adamczak –

Gesellschaftliche Planung jenseits von Klassen und (Lohn-)Arbeit

-Am 28. Mai 1871 wurde die Pariser Commune endgültig niedergeschlagen, 150 Jahre später kämpfen Menschen noch immer für eine Gesellschaft jenseits von Klassen, (Lohn-)Arbeit, Patriarchat und Herrschaft. Im 19. Jahrhundert machte es das Geschichtsvertrauen überflüssig, diese Gesellschaft genauer zu bestimmen, sie war als Resultat von Revolutionen sicher verbucht. Doch die Geschichte zerbrach dieses Vertrauen. Die Träume wurden vielerorts zu Albträumen, sodass emanzipatorische Linke heute aufgefordert sind, aus Fehlern und Erfolgen zu lernen und auf eine der schwierigsten und unbeliebtesten Frage: ‚Aber wie denn sonst?‘ Antworten zu suchen. Das Bilderverbot muss enden und war sowieso niemals als Denkverbot gemeint. Eine Verständigung über die Grundzüge einer klassenlosen Gesellschaft erscheint notwendig, wenn die kapitalistische Alternativlosigkeit gebrochen werden soll. Noch bleibt die utopische Debatte häufig vereinzelt und verstreut, sodass wir auf der Tagung versuchen Vertreter*innen einer Planung jenseits von Klassen, Staat und abstrakter Arbeit (Rätekommunismus, kommunistischer Anarchismus, libertärer Sozialismus, Commonismus, etc.) zusammenzubringen, um zentrale Fragen der Entscheidungsfindung, Organisation der Tätigkeit, Verteilung, Koordination und Planung weiter zu entwickeln. Denn vor dem Hintergrund vielfältiger historischer Erfahrungen mit markt- und staatssozialistischen Gesellschaften und deren Fortschreibens einer Vergesellschaftung über Arbeit und Gewalt, stellt sich weiterhin die Frage, wie eine Re/Produktion zu organisieren wäre, in deren Zentrum menschliche Bedürfnisse und eine ökologische Zukunft steht.

Was kann an die Stelle von Markt und Staat treten? Wie koordiniert und plant sich eine global vernetzte Assoziation der Re/Produzent*innen? Wie erreicht sie globale Verbindlichkeit bspw. bei Klimafragen und wie verhindert sie neue Machtstrukturen? Können Rätestrukturen helfen und machen diese nur Vorschläge oder können sie ihre Vorschläge gesellschaftlich durchsetzen? Wären die Räte damit quasi-staatlich? Wenn Reichtum nach Bedürfnissen statt nach Macht und Leistung verteilt wird: wie werden unbeliebte Aufgaben verteilt und organisiert? Welche gesellschaftlichen Mechanismen verhindern Diskriminierung oder machen sie gar überflüssig? Wie trifft solch eine Gesellschaft Entscheidungen und löst Konflikte? Wie geht sie mit ökologischen Grenzen um und verteilt knappe Ressourcen? Was bedeutet die Vergesellschaftung von Produktionsmitteln und Konsumtionsmitteln konkret? Wer verfügt über die Produktionsmittel und wer verteilt die Produkte? Die Tagung möchte in solidarischen Streit diese Frage vertiefen und mögliche Antworten diskutieren.

Online-Tagung

Vom 28.-30. Mai werden Inputs, Podien und einige Diskussionen live gestreamt. Die technischen Möglichkeiten erlauben es nicht allen, an der Tagung direkt teilzunehmen, aber wir wollen Möglichkeiten schaffen, um die Teilnahme an Diskussionen auch für die nicht direkt Teilnehmenden zu ermöglichen. Einige Inputs, Podien und Diskussionen sollen aufgezeichnet werden und stehen daher auch nach der Tagung zur Verfügung. Teilnahmelinks, Links zum Stream und weitere Information findet ihr ab dem 15. Mai weiter unten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Diese Tagung dient der Vertiefung von Gesellschaftsentwürfen jenseits von Klassen und (Lohn-)Arbeit, gleichzeitig wird eine andere Tagung organisiert, die darauf abzielt, Vertreter*innen eines direkten Übergangs in die befreite Gesellschaft zusammenzubringen mit Vertreter*innen einer markt- oder staatssozialistischen Übergangsgesellschaft. Diese Tagung wird einige Monate später stattfinden.

Wenn ihr Fragen habt, meldet euch gerne per Mail unter freie-assoziation(at)riseup.net

Ein paar Appetitanreger

Translib Leipzig – Utopie und ihre Rolle für die Emanzipation

   Simon Sutterlütti – Koordination und Planung im Commonismus

Bini Adamczak – Aufgaben und Gefahren von Utopie

Friederike Habermann – Warum gutes Leben für alle tauschlogikfrei sein muss

   Felix Klopotek – Die Linie Karl Korsch und Amadeo Bordinga

Gabriele Winker – Solidarische und nachhaltige Care-Ökonomie